Donnerstag, 8. Dezember 2011

Day 3+4 - Colca Canyon



Der Montag beginnt um 2:30 in der Frühe. Mein Handy ist weg und so weckt mich mein Nintendo DS äußerst unsanft...nach einem schnellen Packingvorgang torkele ich in den Vorraum des Hotels und stelle fest: am Counter ist niemand. Ich gehe Richtung Frontdoor; die ist verriegelt. Fuck, I'm trapped. Man versprach mir, dass auch um 3 Uhr Checkout möglich ist, denn jetzt gleich soll mich mein Bus abholen.Telefonnummer des Hostelbesitzers hängt nirgends aus; im Netz gibt's nur die Frontdesknummer. Ich freunde mich fast mit dem Gedanken an, den Schwanz einzuziehen und zurück ins Bett zu ziehen. Ich stelle fest, dass die Tür des Frontdesks einen Spalt auf ist. Ich drehe um, höre ein Geräusch und bemerke, dass ein Fuß hinter dem Tisch hervorlugt ;) da schläft jemand. Ich klopfe, dann lauter. Eine benommene Dame, geschätzte 65, krabbelt aus ihrem Meer aus Kissen und Decken hinter dem Counter hervor und checkt mich aus. Ich bin nur am Grinsen und allein schon wegen diesem Moment wieder froh, im Hostel zu pennen. Doch die Arme soll noch 45 minuten warten, ehe mein Bus kommt - die Vordertür muss wieder verriegelt werden.




Es ist anstrengend, eng gepfercht im Klapperbus. Klimaanlage? Fuck that. Ist alles Teil der Experience. Spanier, Franzosen, the Brits und ein paar Australier versuchen zu schlafen. Daran ist nicht zu denken: der Bus schlängelt sich 3h lang durch die Pampas, ehe wir eine kurze Pause einlegen: es gibt Coca-Tee und -Blätter; DAS Wundermittel gegen die Höhe (3000m+). Bislang hatte ich noch keine Probleme, bin jedoch mit "Sorijichi" Pillen gegen Höhenkrankheit abgesichert.




































Wir machten halt in Chivay, dem letzten Vorort des Canyons. Es wird gefrühstückt, man lernt sich kennen. Der übliche Backpacker-Talk: Woher kommst du? Wohin reist du? Wollen wir was zusammen machen? Ich fühl mich daheim. So geht's auch einem spanischen Branch-Manager für eine ziemlich bekannte Parfümmarke. Am Ende des Treks verrät er mir, dass er 150 Kilo/Jahr verdient und im Urlaub keine Lust auf 5***** Hotels hat. Er schläft in Hostels, isst mit den Einheimischen. Ich schüttel ihm die Hand. My kind of guy.

























Anyway, der Trek beginnt: die Gruppe wird einander vorgestellt. Uns wird erklärt, dass wir uns von 3300m bis zur tiefsten Stelle des Canyons durchschlagen und auf der anderen Seite leicht ansteigen. Die Aussicht in die Schlucht überrascht: Kein Grand Canyon, aber eine gute Nummer 2 für mich. Atemberaubend. Die Gruppe bewegt sich jedoch zu langsam. Ich langweile mich schon fast, sehe dann, wie die junge Französin der Gruppe (Loiré) plötzlich los trottet - und zwar in einem Höllentempo. Unserem Führer ist das egal. Meeting Point ist die Brücke in der Tiefe des Canyons, sagt er mir. Das lass ich mir nicht zwei Mal sagen und renne hinterher; keine Lust auf Rentnertempo. Wir springen wie gestochen den steilen, steinigen und mit Stolperfallen versehenen Pfad runter. Links teilweise tödliche Tiefen. Rechts Felsen. Wir überholen eine Reisegruppe nach der anderen. Man schüttelt den Kopf oder fragt "What's this, a marathon?". Mal ist sie voraus, mal ich. An Pausen will sie nicht denken :) Ok, fine by me. Während wir unsere Leben in Gefahr bringen, erklärt sie mir, dass sie raucht und seit Monaten kein Sport mehr gemacht hat. Impressive. Eine übliche Reisegruppe braucht 2.5-3h in den Canyon, wir schaffens in 1 Stunde und 20 Stunden. Wir treffen unterwegs noch "Tim from Australia", der sich entscheidet mitzurennen. Am Fluß des Canyons angekommen strecken wir die Füße ins Wasser....die Aussicht und die Erholung sind unbeschreiblich. Wir warten.



Nach knapp 1h kam der Rest. Wow. Jetzt geht's bergaufwärts: wir klettern 30 Minuten steilsten Felsen hoch; an Sprints war diesmal nicht zu denken. Es war Hölle. Trotz meiner sportlichen Vorbereitung auf diesen Trip (jeden Abend 45 Minuten durch den Wald bergauf joggen), fühle ich das Ende meiner Kräfte. Atmen fällt schwer. Statt die Aussicht zu bewundern, liegt der Fokus auf den Schritten vor mir. Ich bin nassgeschwitzt, die Sonne brennt im Nacken. Die Hälfte der Reisegruppe gibt auf; man macht alle 10 min Pause, setzt ab. Unser Reiseführer bleibt bei Ihnen, wir "schnellen" sollen weiter. Easier said than done.


Doch wir schaffen es und schlängeln uns jetzt auf und ab durch den Canyon. Das Ziel: Eine flussabwärts gelegene Oase. Hier wird gepennt. Ab jetzt ist jeder Schritt schwer, man spürt die Formation mehrerer Blasen am linken Fuss. Rechts nichts. Um 17 Uhr - nach über 8 Stunden auf und ab - erreichen wir die Oase als Erste (diesmal ein Franzose und ich, Loiré war weg. Verluste gibt's immer). Man checkt uns ein: einfache bambus-, stroh- und betonhütten. Der Boden ohne Teppich. Elektrizität gibts keine. Eine Kerze und eine Packung Streichhölzer liegen parat. Muss reichen.








 Ich nehme die schönste Dusche seit Monaten, springe in den Pool (ja, das hat man wieder) und freue mich, endlich zu frieren. Nun sitze ich hier unter zwei Bettdecken (nachts ist kalt), ruhe mich aus und tippe das hier auf meinem iPad ;) in 13 Minuten (19 uhr)gibt's essen und danach werd ich sofort schlaf nachholen. Bin seit 2:30 auf den Beinen und ich fühl mich erledigt, aber unheimlich stolz. DAS ist eine Erfahrung, die ich niemals vergessen werde. A perfect day.







Der schlaf kommt um 20 uhr, denn um 4:30 gehts auf. I'd better use them.


Dienstag, 4:17 werde ich wach. Nach einer 8stündigen Nacht in der Oase nehme ich eine kalte Dusche. Es dämmert. Die Gruppe sammelt sich am Pool. Wir haben heute einen Aufstieg auf 3000m vor uns. Der Weg ist steinig, sandig, das Vorkommen fast unmöglich. Ich kann was jetzt folgt kaum in Worte fassen: es war mit großer Wahrscheinlichkeit einer der anstrengendsten Stunden meines Lebens. Die Füße schmerzen, das Herz klopft. Jeder Schritt ist eine Qual. Nach 20-30 Minuten geben 15 von ca. 35 der insgesamt 4 Gruppen auf. Man muss ihnen einen Esel rufen. Vielen wird schwarz vor Augen, ihre Beine geben auf. Manche hatten die Nacht über vor der Anstrengung (+ permanenter Sonne) mehrfach erbrochen oder klagten über Durchfall. Ich trotte weiter und bringe mich an die Grenzen. Die Gruppe splittet sich - jeder hat ein eigenes Tempo. Teilweise ist man wie in Trance. Der Blick fokussiert auf die nächsten 50cm des Weges. Nach oben schaut man nur ungern. Man rutscht. Man torkelt. Der Untergrund ist unerträglich. Doch irgendwann ist man oben und den Tränen nahe. Mit einem Grinsen im Gesicht erfahre ich, dass Colca Canyon doppelt so tief ist wie Grand Canyon. Darauf darf ich stolz sein. Und das in 3 Stunden.






























































Nach dem Frühstück (yes, das gabs NACH dem Trip) geht's ab in den Knatterbus Richtung Chivay - dem Ausgangspunkt. Unterwegs machen wir noch an zwei Touristenstops und Aussichtspunkten halt. Man will, dass wir kaufen. Ich bleib im Bus :)

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